Bist du ein Junkie genau wie ich? Drei Wahrheiten über unser Suchtverhalten

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Als ich vor ein paar Wochen in Schweden war, habe ich mir ein Buch gekauft, dass ein sehr wichtiges Thema anspricht, über das ich heute sprechen möchte. Es wird sehr persönlich werden und ich werde ein paar Geschichten über mein Verhalten mit euch teilen über die ich nicht besonders stolz bin. Das Ganze hat natürlich auch mit meinem und auch deinem Business zu tun, denn wir als Selbständige sind unser Business. Unser Gesicht ist das Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Verhalten stetig verbessern und uns auf ein Top Level begeben, um in möglichst vielen Bereichen unseres Lebens erfolgreich sein zu können.

Das Suchtgehirn

Das Buch, um das es geht, heißt übersetzt „Das Suchtgehirn“.

Es beschreibt auf eine sehr wissenschaftliche Weise verschiedene Verhaltensweisen und Details, die mit uns und unserem Körper passieren, wenn wir süchtig sind. Natürlich sind einige Drogen destruktiver als andere. Sie können Menschen in miserable Situationen bringen. Aber dank des Buches habe ich meine Droge entdeckt – eine Droge, die uns ständig zur Verfügung steht und das heutzutage noch mehr als vor 50 oder 100 Jahren. Ich spreche von Zucker.

Zucker – Meine Droge

Das Zucker etwas ist, was wir vermeiden sollen, das wissen wir alle, aber merken wir tatsächlich wie schlimm und abhängig Zucker macht? Mir ist das Ganze wirklich erst mit diesem Buch klar geworden und ich habe mich entschieden etwas dagegen zu unternehmen. Ich bin kein Mensch, der übertrieben viel isst, aber das Problem ist einfach, dass wir in so vielen Lebensmitteln versteckte Zucker haben. Ich meine nicht nur normalen Zucker, sondern auch andere chemische Präparate, die uns dazu verführen mehr zu essen als wir eigentlich brauchen.

Soziale Akzeptanz

Stell dir mal vor du gehst zu einer Live-Veranstaltung und möchtest keinen Zucker essen. Alkohol ist auch eine stark sozial akzeptierte Droge, aber Zucker ist noch akzeptierter. Zucker in Kombination mit Alkohol ist ein starkes soziales Schmiermittel zwischen uns Menschen geworden. Damit geht es uns besser und wir können besser miteinander kommunizieren. Es ist unwahrscheinlich, dass wir auf einer Networking Veranstaltung sind, auf der es kein Essen und Trinken gibt. Die Menschen sollen sich ja wohlfühlen und sich unterhalten.

Dabei bringt der Verzehr vom Zucker mehrere “Vorteile” – uns geht es in dem Moment gut, wenn wir Zucker essen.  Der chemische Effekt in unserem Gehirn ist vorprogrammiert und Mengen an Dopamin ( und auch Seratonin und Endorfin) wird automatisch ausgeschüttet – wir haben gar keine Chance uns dagegen zu wehren, es passiert einfach.

Das Problem ist , dass wir täglich der Versuchung vom Zucker ausgesetzt sind –  wie müssen ja essen. Wir können nicht einfach sagen: „So, ich esse jetzt nichts mehr“ und vermeiden das komplett ( wie man es mit einer anderen Droge machen könnte) – denn wir müssen uns täglich ernähren. Wir werden ja auch durch den Zucker belohnt – genau wie, wenn wir Alkohol trinken oder eine Zigarette rauchen – es gibt uns einen emotionalen Effekt. Glückshormone werden wie gesagt ausgeschüttet und führen dazu, dass es uns gut geht.

“Das kannst du dir doch gönnen”

Zuckersuch ist medizinisch nicht als Sucht anerkannt, wie z.B. eine Drogenabhängigkeit von Kokain oder Heroin oder Alkoholismus. Das Problem ist also, dass Menschen mit diesen sozial akzeptierte Sucht nicht wirklich unterstützt werden. Wenn z.B. ein Alkoholiker auf einer Veranstaltung ist und sagt er hat aufgehört und möchte nichts trinken, würde niemand auf die Idee kommen ihm zu sagen: „komm nimm doch nur einen Schnaps, das ist doch nicht schlimm.“ Wenn ich aber sage ich habe aufgehört Zucker bzw. Süßigkeiten zu essen und ich dieses ungesunde Gift nicht mehr zu mir nehmen möchte, dann sagen die Menschen „Ach komm schon, nur ein Stück Kuchen, das kannst du dir doch gönnen.“

Aber der Punkt ist, dass es sich um genau das gleiche Suchtverhalten handelt. Zuckersucht ist eine Sucht, die sich schleichend über die Jahre bei mir und bei vielen anderen Menschen aufgebaut hat. Genau wie Rauchen oder Trinken manche Menschen beruhigt, füllt auch das Essen ein emotionales Bedürfnis. Es kann sein um sich emotional zu beruhigen oder auch um sich zu belohnen. Das kennen wir doch alle; wir trinken ein Glas Champagner, um etwas zu feiern oder essen ein Stück Kuchen, um einen Geburtstag zu feiern.

Ich trinke nun seit neun Jahren keinen Alkohol mehr und führe immer wieder die Diskussion mit anderen Menschen, die sagen, dass das doch total langweilig ist und man ohne gar nicht richtig feiern kann. Menschen sagen, sie genießen gerne abends ein Glas Wein, wenn sie nach Hause kommen. Wie viele Fotos bei Facebook zeigen nicht Menschen mit Alkohol. “Urlaub” oder “Endliche enspannenn” steht dann in dem Zusammenhang als Text dazu. Der Alkohol ist aber eine emotionale Belohnung und eigentlich sollten wir Alternativen finden, die nicht so destruktiv für uns selbst sind.

10 Tage ohne Zucker

Ich selbst habe über die letzten 10 Jahre immer ein Kilo pro Jahr zugenommen – ein schleichender Prozess, bei dem ich irgendwann festgestellt habe, dass das nicht mehr gut für mich ist. Ich habe in den Spiegel geguckt und gedacht, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich war immer ein sportlicher Mensch, habe Fußball gespielt und bin früher 14km joggen gegangen. Mittlerweile fühle ich mich so schlecht und kann das gar nicht mehr.

Nachdem ich das Buch gelesen habe, habe ich mich selbst verpflichtet, mit Zucker aufzuhören. Ich habe die letzten 10 Tage keinen Zucker mehr gegessen. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt nicht mehr zuckersüchtig bin. Das bin ich immer noch. Der „Vorteil“ war, dass ich sofort krank war, als ich aus Schweden zurück war und sowieso nicht viel Appetit hatte. Somit haben die ersten Tage Zuckerentzug auf natürliche Weise stattgefunden. Aktuell esse ich kein Brot und nur natürlichen Zucker aus Obst, aber das möchte ich auch noch weiter reduzieren, da das auch alles zu dieser Sucht beiträgt.

Drei Wahrheiten über unser Suchtverhalten

Heute möchte ich drei Wahrheiten über unser Suchtverhalten mit euch teilen. Dinge, die wir erkennen müssen, um aus dem Suchtteufelskreis rauszukommen.

1. Nehme dein Verhalten bewusst wahr

Überlege dir welches Verhalten oder welche Dinge, die du in deinem Leben machst, auf eine Sucht hinweisen. Das kann zum Beispiel sein, dass du zu viel im Internet oder bei Facebook bist, dass du online spielst, dass du rauchst oder Alkohol trinkst. Beobachte welches Verhalten bestimmte Funktionen erfüllt. Welches Verhalten beruhigt dich oder macht dich glücklich?

Eine Droge hängt sehr stark mit dem Verhalten zusammen. In meinem Fall war es z.B. so, dass ich nachmittags nach dem Mittagessen irgendwann diesen starken Zuckerdrang gespürt habe. Dann bin ich die Treppe runter in die Küche gegangen und habe mir z.B. ein Toast mit Marmelade gemacht. Da jubeln die Glückshormone und ich fühle mich beruhigt, aber trotzdem schlecht, weil ich weiß, dass es nicht gut für mich ist. Mein Gehirn ist aber auf Autopilot und die Chemikalien steuern mich, ich habe wenig Chancen mich dagegen zu wehren.

In solchen Momenten, wenn man das Bedürfnis nach Zucker bemerkt, muss man sich denken „aha, da ist es jetzt wieder“. Dann stellst du dir die Frage: ist das meine Sucht, die befriedigt werden soll oder ist es mein Gehirn, das auf eine Belohnung wartet? Brauche ich emotional irgendetwas?

Süchte erfüllen eine sehr wichtige Rolle und zwar versuchen wir damit einen äußeren Zustand zu heilen, der eigentlich ein Defizit im Inneren darstellt. Darum ist es so wichtig, dass man in den Momenten, in denen man das Suchtverhalten bemerkt, nicht diesem destruktiven Verhalten folgt. Man sollte sich überlegen, was man jetzt im Normalfall gemacht hätte.

Wenn ich also runtergehen würde und mir mein Toast mit Marmelade machen möchte, muss ich mein Verhalten ändern. Die Frage ist, was ich stattdessen tun kann, wenn ich Lust auf etwas Süßes habe. Meine Hausärztin hat mir den Tipp gegeben, dass ich einfach eine Tasse heißes Wasser mit Zitrone trinken soll, da sich dadurch das Insulin Level in unserem Körper und in der Bauchspeicheldrüse stabilisiert. Dadurch nimmt das Bedürfnis nach etwas Süßem ab. Bis jetzt hat das total gut funktioniert.

Es ist also wichtig, dass wir die Droge entfernen, aber auch unser Verhalten ändern. Denn Essen und Zucker ist etwas, was immer zugänglich ist und wir tun müssen. Darum ist es wichtig ein Bewusstsein aufzubauen und ein anderes Verhalten zu implementieren.

2. Lerne in Kontakt mit dir selbst zu kommen

Diese Sucht ist etwas, was uns emotional befriedigt. Sie ist im Äußeren eine Lösung für etwas, was wir eigentlich emotional brauchen. Wenn man dann in dem Moment, wenn man den Bedarf erkennt, überlegt: was spüre ich eigentlich? Was ist das Gefühl in meinem Körper? Was ist mein eigentliches emotionales Defizit? Brauche ich vielleicht Aufmerksamkeit? Brauche ich Liebe? Brauche ich Bestätigung?

Um das zu erkennen, muss man wirklich lernen in Kontakt mit sich selbst und seinen eigenen Gefühlen zu kommen. Das ist nicht einfach, aber so kann man lernen den Moment zu erkennen, in dem man zur Droge greifen würde und herausfinden, welche emotionale Belohnung diese Droge in uns auslöst. Daran zu arbeiten ist viel sinnvoller als zu diesen destruktiven Drogen zu greifen.

3. Sucht hat nichts mit Disziplin zu tun

Die dritte Tatsache ist, dass Sucht nichts mit Disziplin und Willenskraft zu tun hat. Viele, die wieder zum Zucker oder ungesunden Sachen greifen, denken „Ok, Mist, ich bin jetzt so undiszipliniert und kann das nicht durchziehen. Ich habe einen schwachen Charakter.“ Von dieser Reue und den Selbstvorwürfen müssen wir uns einfach trennen. Wir müssen verstehen, dass unser Gehirn ein fantastisches Ding ist, was perfekt für unser Überleben konstruiert ist. Aber ich kann mich gegen bestimmte Dinge eben nicht wehren. Ursprünglich hat es ja einen Sinn gemacht, weil wir Zucker lieben mussten, damit wir z.B. vor langer Zeit als wir noch in Höhlen wohten, gerne Obst gegessen haben, um unsere Vitamin C Vorräte aufzufüllen.

Schwedens Süßigkeiten

Zucker und Essen werden immer als Belohnung gesehen und als etwas, was benutzt wird, damit es uns gut wird. Mein größtes Problem, wenn ich in Schweden bin, ist, dass es bestimmte Süßigkeiten gibt, die es in Deutschland nicht gibt. In den Supermärkten gibt es ganze Wände mit Süßigkeiten, die man sich in eine Tüte schaufeln kann. Das ist sehr schwierig, weil das Süßigkeiten sind, die es nicht in Deutschland gibt. Dann denke ich, ich bin so selten hier, das gönn ich mir jetzt. Dieses Denken ist dann einfach falsch. Aber da muss man sich erstmal vorbeikämpfen und diszipliniert bleiben, um mit voller Willenskraft an diesen riesigen Wänden an Süßigkeiten vorbeizugehen.

Außerdem gibt es noch ein anderes Phänomen in Schweden, was für jemanden, der mit Zucker aufhören möchte, nicht besonders förderlich ist. Das nennt sich “fika” und bedeutet einfach, dass man sich trifft um etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen (Butterbrot, Gebäck etc.) Dieses Phänomen spielt sich zum Beispiel so aus: jeden Morgen um 9 Uhr kommen alle Kollegen zusammen und dann kriegt man einen Kaffee und isst eine Kleinigkeit. Das Gleiche passiert noch einmal am Nachmittag. Wenn man nicht auf der Arbeit ist, kann man dieses Bedürfnis auch in einem der unzähligen Cafés in Schweden stillen oder bei sich zu Hause – meine Eltern machen es auch jeden Tag draußen auf der Terrasse und dass ist überall. Wenn die Deutschen sagen, “sollen wir was trinken gehen” sagen die Schweden “sollen wir fika?” (hört sich nicht optimal an auf Deutsch…)

Dazu gibt es auch ein Video bei Youtube (4,5 Millionen Aufrufe!) , das es genauer beschreibt: https://youtu.be/oRIeytEXGhQ

Was können wir tun?

Jetzt ist die Frage – was können wir überhaupt tun, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen? Wie können wir uns von unserer Sucht befreien? Denn diese Sucht führt dazu, dass wir unser Leben nicht auf dem Top-Level führen können.

Für mich ist es wichtig zu wissen, wie ich mich am optimalsten und am besten ernähre, damit mein Körper mir Energie gibt und mir diese nicht nimmt. Ich möchte gute Gedanken haben, mit Top-Leuten zusammen sein und mich positiv einbringen. Ich möchte mein Business und meine Selbständigkeit auf eine höhere Frequenz bringen und zu 100% da sein, um meinen Erfolg aufzubauen.

Um uns zu befreien, müssen wir erst einmal erkennen, welche Droge wir benutzen, um uns zu beruhigen, um zu feiern, wenn wir aufgewühlt oder verärgert sind. Was ist die Sucht im Außen und was ist eigentlich dein innerliches emotionales Defizit?

Du musst zugeben, dass das deine Droge und deine Sucht ist. Lege für dich fest, dass es nicht gut ist und dich dieses Gift davon abhält dein Leben auf das nächste Level zu bringen. Überlege dir dann als nächstes, welche emotionalen Bedürfnisse durch diese Droge befriedigt werden. Warum brauchst du diese Droge? Was spürst du eigentlich? Nimm dir Zeit um das zu erkennen und herauszufinden, was du eigentlich brauchst und wie du dieses Bedürfnis auch mit einer gesunden Alternative befriedigen kannst. Wichtig ist, dass du nicht eine Sucht gegen eine andere austauschst.

Außerdem solltest du überlegen welches Verhalten damit verbunden ist und welche Trigger dieses Verhalten auslösen. Wenn du z.B. viel Alkohol trinkst: passiert das, wenn du mit bestimmten Menschen zusammen bist, die dich mitziehen, um ihre eigene Drogensucht zu befriedigen? Finde heraus, welche Menschen Einfluss auf dich haben und dich Sachen machen lassen, die nicht gut für dich sind, wie ins Casino gehen o.ä. Es gibt einfach Menschen, die dich dabei „unterstützen“, dass du diese Drogensucht aufrechterhältst und dann gibt es Menschen, die dich positiv beeinflussen können.

Und dann musst du dich noch fragen, womit du dieses Verhalten ersetzen kannst? Etwas, was für dich viel konstruktiver ist, was dir etwas Positives in deinem Leben bringt.

Meine Erfahrung

Und zum Abschluss möchte ich jetzt noch etwas mit euch teilen, weil es mir so wichtig ist das weiterzugeben. Seit ich aus Schweden zurück bin, geht es mir so gut, ich habe eine komplett andere Energie. Normalerweise bin ich morgens aufgewacht und hatte Rücken- und Gliederschmerzen und hatte wirklich Probleme aus dem Bett zu kommen. Mir hat der ganze Körper weh getan. Aber schon nach vier Tagen ohne Zucker ging es mir komplett anders.

Mein Körper fühlt sich viel leichter an. Meine Ringe sitzen viel lockerer auf den Fingern. Ich spüre auch im Gesicht meine Haut anders. Und ich habe dieses Gefühl voller Energie zu sein und fühle mich gesund. Ich spüre, dass mein Körper gesund ist und das da gutes Essen drin ist. Seitdem habe ich fast nur Rohkost gegessen und ich spüre wirklich wie diese Energie, die Vitamine, das Sonnenlicht in diesem Gemüse aus dem Bioladen mir in allen Bereich volle Energie gibt.

Und genau dieser Mensch möchte ich sein. Und deshalb solltest du auch überlegen, ob du auch mehr Energie haben möchtest. Möchtest du dich stärker fühlen, einen klaren Kopf haben und das Gefühl haben, dass die Dinge viel leichter laufen? Dann kann ich dir wirklich nur empfehlen, dieses Buch zu lesen, wenn du schwedisch sprichst. Wenn du kein schwedisch sprichst, gibt es auch auf deutsch viele Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Damit du dein Leben auf ein komplett neues Level bringen kannst.

Viel Erfolg!